Worauf musst du achten, wenn du mit deiner DSLR filmen möchtest?

Wer bisher seine Spiegelreflexkamera ausschließlich zum Fotografieren benutzt hat und nun mit der DSLR filmen möchte, wird feststellen, dass auch das Videomodul einiges an Einstelloptionen zu bieten hat. Zusätzlich spielt bei der Videoaufnahme auch die Audiospur eine wichtige Rolle. Stummfilme sind eher langweilig.

Im Gegensatz zur Fotografie, wo das RAW Format bei der Nachbearbeitung noch einen großen Spielraum bietet, müssen beim Filmen gewisse Einstellungen bzgl. Kontrast, Schärfe, Sättigung, Weißabgleich, im Vorfeld festgelegt werden.

Kameraeinstellung: Automatisch oder manuell?

Die Automatik der Kamera hilft uns hierbei nicht weiter, sie ist sogar kontraproduktiv. Während die Schärfe und die Sättigung sich bei der Nachbearbeitung in der Schnittsoftware problemlos erhöhen lassen, ist eine Minderung der Werte kaum möglich.
Mein Tipp: Stell deine Kamera unbedingt in den manuellen Modus. Im M-Modus stellst du die Werte des magischen Fotografie Dreiecks (Verschlusszeit, Blende & ISO) fix ein. Nur so verhinderst du Belichtungsschwankungen, die durch die selbständige Nachregelung der Kamera entstehen würden.

Mit Hilfe der unten beschriebenen Einstellungen erreichst du eine flüssige Aufnahme, ohne Belichtungsschwankungen, mit einem schönen Schärfe- Unschärfeübergang und einem guten Sound.

Tonaufnahme für den Dreh mit einer DSLR Kamera

Zusatzequipment für eine gelungene Tonaufnahme

Du benötigst einiges an Zusatzequipment, damit die Aufnahmen gelingen. Das integrierte Mikrofon der Kamera liefert recht bescheidene Ergebnisse. Um eine vernünftige Tonqualität zu gewährleisten, verwende ich das externe Zoom H1. Es kann sehr flexibel eingesetzt werden. Bei Interviews kann ich das Mikrofon zwischen die Sprechenden Personen positionieren, damit der Ton von beiden Teilnehmern sauber und deutlich aufgenommen wird. Ich verwende das Zoom H1 mit einem Windschutz aus Schaumstoff. Der Windschutz filtert die Umgebungsgeräusche und die Schnalzlaute wunderbar raus.

Der H1 Zoom als Audioverstärker

Wenn ich die Audiospur direkt in der Aufnahme gespeichert haben will, dann benutze ich den H1 Zoom als Audioverstärker. Bei diesem Workflow spare ich mir die Synchronisierung der Audio- und Videospur. Beide Spuren werden sofort gleichzeitig im Videofile gespeichert. Bei diesem Verfahren kann ich das Material sehr schnell zuschneiden und muss mich nicht explizit um die Audiospur kümmern.

Wie schon erwähnt, ist das integrierte Mikrofon der DSLR eher bescheiden. Ich verbinde den Audiorecorder mit der Kamera und lasse das Audiosignal verstärkt durch das Zoom H1 in die Aufnahme einfließen. Die Einstellung zur Tonaufnahme lege ich in der Kamera auf manuell fest, damit wird der Mikrofonpegel vom Audioverstärker bestimmt.

Um eine gleichbleibende Tonqualität zu gewährleisten, verwende ich ein 10 Meter langes Audioanschlusskabel, das die Kamera mit dem Lavalier Mikrofon verbindet. Das Lavalier Mikrofon wird am Hemd oder T-Shirt befestigt. Nun kann ich mich frei im Raum bewegen, ohne dass sich an der Entfernung zwischen mir und dem Mikrofon etwas ändert. Schließlich hängt das Mikrofon ständig an derselben Stelle an meinem Hemd oder T-Shirt. Durch die konstante Distanz zwischen mir und dem Mikrofon brauche ich mir keine Gedanken über eine abnehmende Tonqualität, eventuelles Rauschen oder gar Umgebungsgeräusche zu machen.

Der Audiorecorder als separates Aufnahmegerät

Bei Vlog Aufnahmen, die häufig Draußen im Gelände stattfinden, benutze ich den Audiorecorder als separates Aufnahmegerät. Den Audiorecorder trage ich mit mir, und verbinde ihn mit einem Lavalier Mikrofon, das ich meistens am Hemd oder am T-Shirt angebracht habe. Mit Hilfe dieser Methode, kann ich mich beliebig weit von der Kamera entfernen und erhalte dennoch eine gleichbleibend gute Audioaufnahme, ohne Rauschen oder Umgebungsgeräusche. Den „Zoom H1“ habe ich beim Vlogen in der Hosentasche. Die Audioaufnahme wird auf eine Micro SD-Karte gespeichert. Der einzige Nachteil bei diesem Workflow ist der, dass ich über eine separate Audiospur verfüge, die in der Nachbearbeitung mit der Videospur synchronisiert werden muss.

Das Lichtsetup für den Dreh im Studio:

Licht und Schatten. Wie beim Fotografieren ist auch beim Filmen die richtige Ausleuchtung des Raumes und des Hauptmotivs das A und O. Ich benutze bei den Aufnahmen im Studio Videoleuchten, die den Raum ausreichend und vor allem konstant ausleuchten. Es handelt sich um günstige „TecTake Profi“ Videoleuchten, die durch eine Energiesparlampe: 50 W, mit 5500 K (Dauerlicht), ein relativ kaltes Licht liefern. Alternativ kannst du aber auch Video LEDs verwenden, die es mittlerweile in jeder erdenklichen Farbtemperatur gibt. Durch die Vorgabe der Lichttemperatur deiner externen Lichtquelle, kannst du den Weißabgleich der Kamera im Vorfeld an das künstliche Licht anpassen.

Ich setze meist das Zangenlicht ein. Beim Zangenlicht wird Das Motiv inkl. der Kulisse von beiden Seiten mit den Lichtkegeln in die Zange genommen. Dieses Lichtsetup garantiert mir eine gleichmäßige Ausleuchtung der Szenerie. Die Bereiche, die vom Licht unter Umständen zu schwach erfasst werden, helle ich mit Hilfe von Faltreflektoren auf.

Filmen mit einer DSLR: das notwendige Zubehör

Hier findest du eine Auflistung der Hardware, die ich beim Filmen mit meiner DSLR verwende.

Zubehör für die Videoaufnahme:

Kamera:

Objektiv:

Kamerastativ:

Fernauslöser:

Speichermedium:

Canon 5D Mark III

24mm – 70mm Canon L 2,8

Manfrotto Kugelkopf mit ergonomischem Griff

Yongnuo RF-603N II N3 wireless

SD-Karte 32 GB

Zubehör für die Audioaufnahme:

Audiorecorder: 

Mikrofon-Audioadapter:

Audioverlängerungskabel:

Anschluss-Audiokabel:    

Mikrofon:

Mikrofonstativ:

Speichermedium:

Mikrofon-Windschutz:

Zoom H1

TRRS an TRS Adapter „SC3 von Rode“

10m „SC1 von Rode“

Klinke Stecker an Stecker

„smartLav +“ von Rode

Manfrotto Mini Stativ

micro SD-Karte 16 GB

Schaumstoff Aufsatz

Zubehör für die Ausleuchtung des Raumes:

Videoleuchte + Stativ:

Lichtreflektor:

Stativ für den Lichtreflektor

TecTake Profi Videoleuchten

Profi 5 in 1 Faltreflektor 92 x 122 cm

Delamax Stativ

Die wichtigsten 12 Einstellungen, beim Filmen mit einer DSLR, (Fotostrecke)

Für diejenigen unter euch, die sofort loslegen wollen, habe ich hier eine Fotostrecker der wichtigsten 12 Einstellungen zusammengestellt, viel Spaß beim Filmen mit deiner DSLR.

Weiter unten folgen die Erläuterungen zu den Einstellungen.

Die wichtigsten 12 Einstellungen, beim Filmen mit einer DSLR, (im Detail)

Schauen wir uns die einzelnen Menüpunkte etwas detaillierter an.

  • Mein Motiv im Studio ist ca. 2m von der Kamera entfernt.
  • Meine bevorzugte Brennweite für Studioaufnahmen beträgt 28mm.
  • Die Kamera steht fest auf einem Stativ. Der Bildstabilisator des Objektivs ist ausgeschaltet.
  1. Die Kamera sollte unbedingt im M – Modus verwendet werden. Wie schon oben erwähnt, wollen wir eine selbständige Nachregelung durch die Kamera ausschließen, daher setzen wir folgende Werte des magischen Fotografie Dreiecks fest:
    Verschlusszeit: 1/ 50 Sekunde.
    Die Verschlusszeit sollte das Doppelte der Bildrate betragen. Bei einer gewählten Bildrate von 25 Frames per Second, beträgt die Verschlusszeit 1 / 50 Sekunde. Abweichende Verschlusszeiten wirken unnatürlich.
  2. Die Blende: ich benutze bei meinen Videoaufnahmen vom Stativ die Blende f: 2,8
    Die Blende 2,8 sorgt mit Hilfe der richtigen Wahl der Brennweite und der Entfernung zum Motiv für eine angenehme Schärfe meines Hauptmotivs und lässt die Umgebung in einer weichen Unschärfe verschwinden. Wenn ich eine durchgängige Schärfe wünsche, dann verwende ich die Blende f: 5,6, die mir eine deutlich größere Schärfentiefe bietet.
  3. ISO: 160 oder ein Vielfaches davon.
    Nach dem magischen Fotografie Dreieck, kannst du nun ausschließlich mit dem ISO Wert, der ein Vielfaches von 160 sein sollte, deine optimale Belichtung einstellen. Bei der 5D MARK III kannst du bis zu ISO 6400 gehen, ohne ein unangenehmes Bildrauschen zu riskieren. Grundsätzlich gilt natürlich, je kleiner desto besser. Wenn die Ausleuchtung der Szenerie unzureichend ist, solltest du die Lichtempfindlichkeit des Sensors höher setzen. Je höher der Wert, desto mehr Bildrauschen wird die Aufnahme aufweisen. Bei hellem Tageslicht kannst du die Linse ausschließlich mit ND Graufiltern abdunkeln.
  4. Weißabgleich: 5500 Kelvin.
    Da ich mit künstlichem Licht arbeite und mir die konkrete Angabe der Lichttemperatur vorliegt, stelle ich den Weißabgleich auf meine Hauptlichtquelle ein. In meinem Fall sind es 5500 Kelvin.
  5. Menüpunkt „SHOOT3“ Bildstil: Neutral: 0, 3, 2, 0
    Meine Voreinstellung für den Neutralen Bildstil, haben sich bei Filmaufnahmen mit folgenden Werten bewährt:
    Schärfe: 0
    Kontrast: 3
    Farbsättigung: 2
    Farbton: 0
    In der Nachbearbeitung nehme ich lediglich eine Nachschärfung vor. Wenn du diesen Bild Stil verwendest, ist ein Color Grading nicht zwingend notwendig.
  6. Videoeinstellungen:
    Um die Parameter für die Videoeinstellungen eingeben zu können, musst du die Kamera zuerst vom Foto- in den Filmmodus umstellen. Das geschieht durch das Betätigen des Umschaltrings über der „Start / Stop“ Taste. Mit der Menütaste kommst du in die Menüsteuerung der Kamera. Durch die oben beschriebene Filmmodus Wahl, verändert sich der Menüpunkt „Shoot4 LV func.“ in „Shoot4:Movie“. Nun stehen dir alle Movie-Parameter zur Verfügung.
  7. Den AF-Modus stellst du auf Live-Modus, damit kannst du per Live View Display Fokussieren.
  8. Die Fokussierung nimmst du manuell vor.
    Den Auto Fokus am Objektiv stellst du auf “Manuell”. Anschließend fokussierst du dein Motiv über das Live View Display. Dazu fährst du das Fokusquadrat auf dein Motiv, wählst die digitale Zehnfachvergrößerung aus und setzt mit dem Fokussierring am Objektiv den Fokus. Da deine Kamera auf einem Stativ steht, bleibt dein Motiv während des Drehs im Fokus.
  9. Movie-Aufnahme Größe:
    Hier wählst du die Auflösung „1920 x 1080 mit 25 Frames per Second und All-I“.
  10. Tonaufnahme:
    Wie schon oben beschrieben, stellst du die Tonaufnahme auf “Manuell”, da ein Audiorecorder als Verstärker die Audiosteuerung übernimmt.
  11. Tonaufnahmepegel: Tonaufnahmelautstärke
    Der mittlere Strich im Pegelsegment hat sich bei mir in Verbindung mit dem Audiorecorder bewährt.
  12. Timecode: Es handelt sich um einen Zeitreferenzwert, der automatisch gespeichert wird. Mit Hilfe des Timecodes lassen sich Audio- und Videodaten eindeutig synchronisieren. Ich verwende den Timecode nicht. Wenn ich eine Videoaufnahme mit getrennten Audio- / Videoquellen erstelle, dann setze ich die Klappentechnik ein. Sie ermöglicht mir später beim Schnitt die einwandfreie Synchronisierung der Audio- und der Videospur.
  13. Leise LV-Aufnahme: Modus 1
    Hier stellst du den Modus für das Aufnahmegeräusch von Einzelstandbildern ein.
    Modus 1: ermöglicht dir ein sehr leises Fotografieren während der Filmaufnahme. Selbst leise Reihenaufnahmen sind möglich.
  14. Messtimer: 10 Minuten
    Hier kannst du einstellen, wie lange die Speicherung der Belichtungswerte festgehalten werden soll, wenn du die * Taste betätigst. Diesen Wert kannst du beim Filmen ignorieren.
  15. Leiser Betrieb: aktiv
    Das bedeutet, das während des Filmens leise Einstellungen mit der Touchpad-Taste und dem Schnelleinstellungsbildschirm möglich sind.
  16. Movie-Aufn Tst.: START/STOP

Audioeinstellungen am Audiorecorder

H1 Zoom Pegel Input:


H1 Zoom Pegel Output:

45


50

der H1 Zoom ist per Kabel mit dem Lavalier Mikro verbunden

der H1 Zoom ist per Kabel mit der 5DMark III verbunden

Die Aufnahmelänge beim Filmen mit einer DSLR

Grundsätzlich werden die erstellten Videodateien mit einer maximalen Dateigröße von 4 GB auf das Speichermedium geschrieben. Die 5DMark III nimmt ohne Unterbrechung weiter auf. Sie legt beim Überschreiten der 4 GB Größe selbständig Folgedateien an, ohne die Aufnahme zu unterbrechen. Die maximale Aufzeichnungsdauer ist begrenzt. Nach 29 Minuten und 59 Sekunden Videozeit wird die Aufnahme beendet. Aus Einfuhr- und Zollgründen ist bei den DSLRs eine Aufnahmesperre eingebaut. Bis auf die Zwangssperre, kannst du selbstverständlich selbst bestimmen, wann deine Videoaufzeichnung beginnt und wann sie endet. Mit der „Start / Stop“ Taste bist du dein eigener Regisseur.

Sei positiv und bleib kreativ

Ich hoffe, du kannst nach der Lektüre dieser Einstellungen mit dem Filmen sofort loslegen. Solltest du andere Einstellungen verwenden, dann teile uns bitte deine Erfahrungen in den Kommentaren mit.

Kommentar hinzufügen

Sorry: Rechtsklick ist zum Schutz des
Seiteninhalts deaktiviert!